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Nepaltrekking Round Manaslu 2011

Tourenbericht DAV-Sektionsheft 1/2012

Kein Vergleich zu dem mittlerweile herbstlichen Deutschland war das Klima in Kathmandu, als wir Ende September dort eintrafen. Das wunderbar  warme und sonnige Wetter trübte eigentlich nur der Gedanke an das verschollene Gepäck, was aber glücklicherweise noch am gleichen Abend am Flughafen eintraf. Die ersten beiden Tage unserer Reise verbrachten wir in der Hauptstadt Nepals, um im fernen Asien erst einmal anzukommen und ein paar restliche Erledigungen für unsere Trekkingtour zu tätigen.

Am nächsten Tag in der Frühe wurden wir von unserem Bus abgeholt, mit dem wir auch nur eine Stunde später als geplant auch wirklich losfuhren. Die Massen an Gepäck, die man als 15-köpfige Gruppe (exclusive Helfer, Träger, etc.) für  zwei Wochen Trekking nun einmal hat, machte es nötig, dass ein Helfer am Anfang auf dem Dach saß, um die Oberleitungen etwas anzuheben, damit der Bus darunter durch passte. Nach einem Großteil der Strecke weigerte sich dann unser Busfahrer weiterzufahren, da die Straße deutlich schlechter wurde. Wir waren also gezwungen, spontan in einen anderen Bus umzusteigen, der sich zum Glück auch noch gefunden hat, sodass wir zwar spät abends, aber immerhin noch am gleichen Tag in Arughat Bazar, dem Ausgangspunkt der Wanderung ankamen. Wir freuten uns über große Zelte, in denen man zu zweit auch mit Gepäck gut hinein passte, und Luxus wie Campingtische, Stühle mit Lehne und Metallteller.

Der erste Trekkingtag lief sehr langsam an, da wir, unsere 15 Träger, vier Assistenten, ein Koch, seine sieben Gehilfen und ein Horseman erst einmal einen gemeinsamen Tagesablauf finden mussten, damit jeder wusste, was wann zu tun ist. Da wir auf 600m ü.NN gestartet sind und man in Nepal schon deutlich südlicher ist als hier, hatten wir am Anfang mit subtropischen Temperaturen zu kämpfen. Dafür wurden wir aber belohnt mit einer üppigen Vegetation und Reisterrassen in unterschiedlichen Grün- und Gelbtönen. Sehr früh am Mittag führten uns unsere Assistants, die uns immer begleiteten, zu dem Ort, wo wir unser Mittagessen bekommen sollten. Dort wuselten schon die Küchenhilfen herum, um uns mit einer improvisierten Küche ein tolles Essen zu zaubern. Wenig später fanden wir sogar noch eine etwas tiefere Stelle in einem Nebenfluss, wo wir uns abkühlen konnten, was viele gerne genutzt haben. Am Nachmittag kamen wir am unserem nächsten Campingplatz an, von dem wir auf einen riesigen Wasserfall auf der anderen Seite des Tales sehen konnten.

Die folgenden Tage liefen wir weiter talaufwärts, immer entlang des Flusses „Budi Gandaki“ und konnten uns nicht satt sehen an der atemberaubenden Berglandschaft und Flora und Fauna, die immer weniger wurden. Die Reisfelder wurden nach und nach von Gerste abgelöst und statt der ca. 1,5m dicken „fici religiosa“, sah man bald eher Nadelbäume. Immer wieder durften wir hohe Wasserfälle bewundern, die steile Felswände herunter rauschten. Wir gewannen an Höhe und die Temperaturen sanken – das Wetter war aber weiterhin so gut, dass wir sogar Tage hatten, an denen nicht das kleinste Wölkchen am Himmel zu sehen war. Nach sechs Tagen war es endlich soweit: Wir hatten einen Blick auf den Manaslu, einem 8000er östlich des deutlich bekannteren Annapurna. Die sehr markante Doppelspitze ragte vor uns auf und war unvorstellbare 4,5 km über uns.

Unser Koch, Padam, zauberte uns immer ein sehr leckeres Essen, wobei er sich selten wiederholte und uns immer wieder aufs Neue erstaunte, was er mit den vorhandenen Mitteln während des Campings zustande brachte – selbst an Geburtstagskuchen ließ er es nicht mangeln. Allein die „Schwämme“ (Pfannkuchen ähnlich) zum Frühstück erfreuten sich keiner Beliebtheit.

An den darauffolgenden Tagen waren die Tagesabschnitte so gewählt, dass man sich zwischen einem Ruhetag und einem optionalen Abstecher zugunsten der Akklimatisation entscheiden konnte. Es ging so langsam an die 4000 Hm. Nach zehn Tagen erreichten wir unser letztes Camp vor dem Larkye Pass, der mit rund 5100m der höchste Punkt unserer Tour war. Am nächsten Tag ging es vor Sonnenaufgang los, denn die Etappe war sehr lang. Alle waren wir froh, als wir endlich den Pass erreichten – umringt von schneebedeckten 6000ern vor dem Kontrast des strahlend blauen Himmels. Wir machten ein Gruppenfoto und hingen nach alter buddhistischer Tradition bunte Gebetsfahnen auf. Bald ging es auch schon abwärts und nach insgesamt zehn bis elf Stunden Gehzeit erreichten wir einen kleinen Talkessel, wo wir unser Camp aufschlugen. Danach ging es innerhalb von drei Tagen wieder in niedrigere Regionen bis zum Beginn der Straße, wobei wir das letzte Stück auf der Annapurna-Runde zurückgelegt haben, die ungemein überfüllt war. Die Massen an Menschen und die schon vorhandene Infrastruktur zeigte uns allen, dass wir uns mit der deutlich ruhigeren und naturbelasseneren Manaslu-Runde für die richtige Tour entschieden hatten. Auf dem Weg kehrten wir bei einer unserem Leiter Helmut bekannten Familie ein, wo wir sehr herzlich empfangen wurden. Dil, ein Grundschullehrer aus dem Ort, erzählte uns viel über Nepals Geschichte, Kultur und Politik und lud uns zu dem traditionellen Gericht Nepals ein, dem Dal Bhat, was aus Reis, Gemüse, Linsen und Curry bestand.

Zurück in Kathmandu hatten wir noch zwei Tage Zeit, um uns die vielen Sehenswürdigkeiten anzuschauen, die diese Stadt zu bieten hat. Als erstes besuchten wir den Affentempel, der besonders in der nächtlichen Beleuchtung sehr schön ist (mit Ausblick über die ganze Stadt). Auch gesehen haben wir die alte Königsstadt am Durbar Square (einer Anlage mit ungemein vielen Tempeln), Boudha (eine sehr große Stupa mit atmosphärisch sehr netten Dachcafes drum herum) und Pashupatinath, der Verbrennungsstätte, wo die Leichen aus hinduistischen Familien verbrannt werden.

Alles in allem war es eine tolle Tour, auf der wir die nepalesische Landschaft und Kultur von Nahem erforschen und bewundern konnten. An dieser Stelle noch vielen Dank an Helmut, der diese Reise wirklich gut organisiert hat! 

Simon Jurkat
(früherer Jugendgruppenleiter DAV- Sektion Mainz)

 

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