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Von den Stupas bis zum Sitz der Götter

Nepaltrekking im Nationalpark Langtang vom 17.10.2014 – 02.11.2014

 

Wir waren gut vorbereitet auf die Trekkingtour im Langtang Nationalpark nördlich von Katmandu an der Grenze zu Tibet. Ein Arzt für Allgemeinmedizin und ein Physiotherapeut und Yogalehrer nahmen an der Tour teil. Aber schon drei Tage vor Beginn unseres Trekkings baute sich ein Zyklon überm Golf von Bengalen auf und brauste mit verheerender Wucht über Westbengalen. Der tropische Wirbelsturm ‚Hudhud‘ lud schließlich an der Flanke des Himalaya, in der hoch frequentierten Annapurna-Region massenweise Schnee ab mit den traurigen Folgen für die Bergwanderer, wie aus den Medien allerorts zu entnehmen war. Und dies im Oktober, dem idealen Monat für Himalaya-Trekking mit ansonsten stabilem Wetter und klarer Weitsicht. Wir begannen mit Vorsicht unser Unternehmen und verfolgten aufmerksam die Wetterberichte.

Von Kathmandu, wo wir am Vortag noch unsere Gipfelfähnchen im Tempel von Swayambhunath segnen ließen, ging es erst auf gut befestigter Straße von Trisuli nach Betrawati und dann in immer engeren und halsbrecherischen Kehren höher und höher an Reisterrassen und Hirsefeldern hinauf in alpine Regionen, an gähnenden Schluchten vorbei über kaum noch befestigter Fahrbahn. Für die ca. 70 km von Kathmandu nach Syabrubesi brauchten wir inklusive einer Lunch-Pause und dem Passieren eines Checkpoints rund sieben Stunden.

Syabrubesi (1415 m) ist der Ausgangspunkt unseres ersten Treks nach Kyanjing Gompa (3850 m). Zur Akklimatisierung steigen wir in drei Tagesetappen auf 4000 m hoch. Immer dem Langtang Khola folgend, der unten in der Schlucht schäumt, ein Gebirgsfluss, der vom Langtang Gletscher in über 6000 m Höhe genährt wird. Es geht aufwärts durch Urwald, durch Laubwälder dann unter Lärchen und Himalayakiefern weiter. Nachdem wir den Langtang Khola zweimal über Hängebrücken gequert haben gelangen wir in felsige Region. Gegenüber der Bamboo-Lodge, wo wir unser Lunch einnehmen, tummeln sich die ersten Affen in den Wänden über dem Fluss. Bis zum Lama Hotel (2500 m) sind es dann noch ca. 3 Stunden im steilen Gelände also insgesamt ca.7 Stunden Tagesgehzeit.

Die Unterkünfte (Lodges) auf dem Langtang  und dem Gosainkunda Trek bieten wenig Komfort. Eine Schlafstelle, manchmal eine Toilette im Haus, selten eine Duschmöglichkeit. Hin und wieder gibt es keine Waschmöglichkeit im Haus, dann muss im Freien die Toilette erledigt werden im Notfall mit dem Wasser aus den 1- Liter-Plastikflaschen, von denen es täglich zwei pro Person gibt.

Oberhalb der Lama-Lodge öffnet sich das Gelände und gibt die Sicht frei auf die Gipfel der Langtang-Kette mit dem majestätischen Langtang Lirung (7234 m). Wir kommen an Tamang Dörfern mit Verkaufsständen (vor allem Wollsachen und Schmuck) vorbei und die ersten Yak-Herden rücken näher auf den Almen um Langtag-Village (3430 m), wo wir unsere nächste Übernachtung nach ca. 5 Stunden Gehzeit haben. Am nächsten Tag werden wir eingeladen in das Haus einer einheimischen Familie. Wir erfahren, dass vor 400 Jahren die ersten Tibeter sich in Langtang ansiedelten. Sie sind Ihren Wurzeln treu geblieben: Dalai-Lama-Schrein an der Zimmerwand, offene Herdstelle mit hölzernem Butterfaß zur Yak-Butter Herstellung. Wir werden mit Yak-Curd bewirtet, eine köstliche Buttermilch, die den Hunger und Durst löscht und Lust auf Gipfelbesteigungen weckt. Das werden wir bei unserer nächsten Ankunftstelle in Kyanjing Gompa tun. Es geht auf den Kyanjing Ri Peak (4773 m) und die Mutigsten nehmen sich gleich einen 5000er vor (Tsergo Ri 5040 m). Wir sind gut akklimatisiert. Es gibt keine Schwierigkeiten mit der Höhe. Helmut, unser Tourenführer, weiß das richtige Tempo vorzugeben und mit „Larg Yalo – die Götter werden siegen!“ hissen wir auf dem Gipfel des Kyanjin Ri die mitgebrachten bunten Gebetsfahnen (Aufstieg von Kyanjing Gompa ca. 3 Std.).

In der Zwischenzeit hat sich über dem Golf von Bengalen abermals ein Zyklon aufgebaut, und wir fürchten um das Gelingen des Fortlaufs unserer Tour. Laut Wettermeldung zieht das Tiefdrucksystem Richtung West-Nepal aber wir müssen von nun an ab Mittag Bewölkung und eingeschränkte Fernsicht hinnehmen. Ab ca. 4000 m geht Schnee nieder, wir werden den weiteren Verlauf unserer Tour ändern müssen.  Von Kyanjing Gompa geht es in einem Schnelllauf zur Lama Lodge hinunter (7 Std.). Am nächsten Tag steigen wir bis Pairo (1655 m) ab, um uns dann dem Aufstieg bis Thulo Syabru (2310 m) zuzuwenden. Schon von Pairo aus kann man die Häuser und Stupas in schwindelnder Höhe erblicken. Der Weg dahin ist traumhaft schön: Urwald, Hangpfade, eine grandiose Hängebrücke über den Chopche Khola. Dann aber gibt’s den ersten Nieselregen.

Der Gosainkunda-Trek ist für die Einheimischen ein Pilgerpfad zu den heiligen Seen in ca. 4000 m Höhe, man könnte ihn vielleicht als den Jakobsweg der Hindus bezeichnen. Er startet von Dhunche (1960 m ) aus, wir aber folgten dem Zustieg über Foprang Danda – das Kloster Shin Gompa – Chandanbari – Chyolangpati bis Laurebina (3910 m). Ein sehr steiler und kräftezehrender Weg (ca. 7 Std. Gehzeit) aber mit überwältigendem Blick auf Langtang Lirung, Ganesha bis zur Tibetischen Grenze. Wir hatten Glück an diesem Morgen, die Fernsicht war wieder da, doch am Nachmittag verhing sich der Himmel abermals. Auf der Laurebina Yak Lodge - eisige Kälte, Graupelschauer und Schnee. Wir stornierten unsere Unterkunft an den Gosainkunda Seen, die Besteigung des Surya Peak (5145 m) mussten wir aufgeben und ein zweites mal auf Laurebina übernachten in der kleineren aber komfortableren  GBC Lodge. Und trotzdem: am Abend riss der Himmel auf  und gab auf 180° die nördliche Himalayakette frei. In der Ferne waren die 8000er zu sehen Annapurna und Manaslu, dann Machapuchare, die Tibetan Mountains, Ganesha. Auch an den folgenden beiden Tagen konnte man früh morgens das Panorama erneut sehen. Überwältigend.

Wir stiegen noch zu den heiligen Seen hoch gingen entlang dem linken Ufer des Baerakunda Sees und besuchten weiter oben das Shiva-Heiligtum am Gosainkunda-See.  Wegen fehlender Fernsicht verzichteten wir auf den Laurebina-Pass (4600 m). Abends ging es dann bei Nepali-Musik hoch her in unserer GBC Lodge, mit heißem Ingwer-Tee und dem ‚Resham Firiri‘-Refrain des unglücklich Verliebten aus Pokkàra, der seine Erwählte nicht sehen konnte. Aber wir hatten die 8000er gesehen und waren glücklich. Der zweitägige Abstieg erfolgte über Dimsa (3007 m) und Deurali (2625 m) bis nach Dhunche, von wo aus ein Bus uns nach Kathmandu brachte.

Tourenleiter: Helmut Spoo                                             Text: Wolfgang Gottschick

Teilnehmer:  Wolfgang B., Karin B., Simone B., Johannes F., Karin M., Heike P., Oliver P., Susanne L., Lena R., Karoline H., Kai W., Marion W., Sven W., Christian R., Carola S., Wolfgang G.


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