Home

Termine

Exkursionstipps

Über geofaktor

Impressum

Links

Fotos/Berichte

 

 

 

 

 


Wo die Yaks die Pfade spuren

Wilde Berge,  Bön-Klöster und frohe Kinder - Trekking durchs Untere

und Obere Dolpo im Nordwesten Nepals

 05.09.2015 – 30.09.2015

Unser Tourenleiter wiederholte es öfter: „It’s a long way to Upper Dolpo!“. Damit erinnerte er uns nicht bloß an das Ziel unserer Expedition, dahinter verbarg sich  vielmehr der Hinweis: Achtung auf reichliche Flüssigkeitszufuhr, aktive Nahrungsaufnahme, Pulskontrolle,  denn Dolpo gehört zu den schwereren Trekking-Touren im Himalaya. Das liegt an dem langen Anmarsch von drei Tagen, bis das Innere Dolpo erreicht wird und an der Schlafhöhe (oft über 4.000 m), der die Bergsteiger ausgesetzt sind. Zudem: Ab Eintritt ins Upper Dolpo gibt es keine schnelle Rückkehrmöglichkeit. Jeder Abstieg dauert mehrere Tage, da es außer Yak-Pfaden keinen Fahrweg abwärts gibt. Die Gruppe ist von der Zivilisation  buchstäblich abgeschnitten und muss jede Herausforderung selbst meistern können.

Es gibt wenig Kartenmaterial über die Dolpo Region und wie wir während der Expedition feststellen konnten, ist es auch nicht zuverlässig. Unser Expeditionsleiter,  Dipl. Geograph Helmut Spoo, hat über ein Jahr lang in akribischer Kleinarbeit diese Tour vorbereitet, die Route geprüft und nach Alternativen für den Fall X geforscht, falls doch etwas schieflaufen sollte. Sicherheit hatte höchste Priorität. So kam eine wunderbare Trekking-Tour zustande, die für jeden Teilnehmer ein außergewöhnliches Erlebnis geworden ist.

Es war ein 19tägiges Zelttrekking. Mit Anreise und Inlandsflügen dauerte die Reise  allerdings 25 Tage. Die beteiligten Bergsteiger: Eine Gruppe von 13 Teilnehmern, die meisten mit Himalaya-Erfahrung.  Für die Logistik hatten die nepalesischen Freunde gesorgt, die auf vorausgegangenen Touren ihre Zuverlässigkeit bewiesen hatten. Mane, ein einheimischer Guide, kleinwüchsig, agil und redegewandt, sowie  ein  Tross von mehreren Trägern (hier Porter genannt), ein umsorgender Koch in einer Military-Hose und  großen Wanderstiefeln, seine emsigen Gehilfen, mehrere Maultiere, die Verpflegung , Zelte, Kochgeschirr, Gasflaschen usw. mitführten, begleiteten uns.

Die Tour begann mit einem Highlight der Sonderklasse. Auf dem Flug von Kathmandu nach Nepalgunj im Südwesten Nepals in einer Propellermaschine der Yeti Airlines flogen wir im Defilee die Kette nepalesischer Himalaya Gipfel ab. Die Sicht war ausgezeichnet. Aus den Nebelschwaden erhoben sich im Osten die Gipfel Cho Oyu, Mt. Everest und Lhotse. Dann, unmittelbar nördlich vom Katmandutal, die Langtangkette und gleich daneben der Ganesha, gefolgt von der Doppelspitze des Manaslu. Anschließend die Annapurna I und  II und  immer weiter nach Westen fliegend, letztlich der breit thronende Daulaghiri, der östlich das Dolpo, unser Ziel, begrenzt. Die digitalen Kameras klickten diskret, die Flugzeugkabine war aber erfüllt von Ah- und Oh-Rufen.

Von Nepalgunj, dem Ort im südlichen Terrai, den man am liebsten möglichst schnell wieder verlässt, auch wegen der tropischen Hitze, brachte uns eine Twin Otter von Tara Air nach Juphal (2.475 m), dem Ausgangspunkt unserer Tour.

Über blühende Buchweizenfelder, vorbei an goldgelben Hirserispen und wogenden gelb-grünen Ähren der Wintergerste, die hier Tsampa heißt, stiegen wir ab in Richtung Dunai, der Bezirkshauptstadt des Dolpo, zu unserem ersten Campingplatz (2.140 m) am Thuli Beri Fluss. Ein betörender Duft von Pfefferminze und Wacholder  liegt in der Luft. Nach der Siedlung Kalagaonda kommen uns die ersten Lasttiere  entgegen. Schnaubend, wälzen sie sich auf den Rücken in den Sandkuhlen am Wegrand, nachdem sie von ihren schweren Lasten befreit worden sind. Die Tragsattel haben ihnen auf Rücken und Kruppe Wunden gescheuert.  Von nun an begleiten uns die Maultiere auf Schritt und Tritt. Weiter im Norden, im Inneren Dolpo, kommen auch Yaks hinzu. Sie bilden die Karawanen, die bis nach Tibet ziehen. Außer den Porters gibt es im ganzen Dolpo kein anderes Transportmittel.

Die folgenden drei Tage steigen wir über Tarakot, Laisica, Nawarpani bis Dho Tarap, dem Hauptort des Unteren Dolpo hoch (3.944 m).  Hier ist ein Sitz des Dolpo Tulku (Oberhaupt der Buddhistischen Gemeinden im Dolpo) mit einer Gompa (Kloster), die wir aber nur von außen besichtigen konnten. Die Tagestouren sind jetzt 8 bis 9 Stunden lang. Der Weg führt teils über sehr steile Treppenwege an Hangabstürzen und über improvisierte Pfade, schnürt sich hoch über die imposante, sich immer mehr verengende Tarap-Schlucht. Bei Sisaul weitet sich die Landschaft wieder. Dann, die erste Flussüberquerung und ein unerwartetes Schauspiel bietet sich uns dar, als eine Yak-Karawane in rasendem Tempo das Steilufer hinabtreibt und auf der gegenüberliegenden Flussseite den Hang wieder hochjagt. Der Boden dröhnt vom Hufschlag der schweren Tiere, Steine brechen aus der Felswand über uns, wo oben schon die Tiere weiterrasen. Treiber spornen die Yaks an, schleudern Steine hinter den Tieren her oder sitzen auf dem Rücken der Tiere. Der Yak-Ritt dauert etwa eine halbe Stunde. Wir schätzen gut 500 Tiere und  wir meinen,  in einem Rodeo-Film mit Yaks gelandet zu sein, wo Dolpopa Stunts ihre Reitkünste zeigen.  Die Situation ist aber real und bedrohlich. Von hier bis bis Dho Tarap trekken wir auf leicht ansteigenden Pfaden durch eine grandiose Urlandschaft, an schier endlosen Flüssen entlang.

Nach einem Ruhetag in Dho Tarap folgen wir in nördlicher Richtung dem Thakchiu Khola.  Mehrere Vororte reihen sich aneinander. Dazwischen liegen hellgrüne Tsampa-Felder. Schüler kommen uns entgegen, grüßen fröhlich immer wieder „Namaste“, bis wir vor der Crystal Mountain School stehen, der höchsten Schule auf dem Dach der Welt. Steingebäude, die sich in die Landschaft gut einfügen, wurden hier mit französischer Unterstützung errichtet. Es gibt eine helle Glaswand, hinter der Gemüse gezüchtet wird. Ein sauberer Schulhof, muntere Kinder in Schuluniform tollen herum. Wir erfahren, dass hier Nepali, Englisch und Tibetisch unterrichtet wird; der Unterricht wird aber von ausländischen Sponsoren finanziert. Wir hinterlassen hier,  wie auch an anderen Schulen, die wir noch besuchen werden, eine Spende aus unserer Nepalhilfe-Kasse.

An der Weggabelung Tokyu geht es weiter in nördliche Richtung. Der Weg nach Westen, dem die meisten Wanderer folgen,  führt nach Rigmo am Phoksundo See. Dieses Ziel wollen wir aber erst nach der Durchquerung des Oberen Dolpo in zehn Tagen erreichen. Auf 4.425 m wird das erste Hochlager unter dem Jyanta La Pass eingerichtet. Es ist kälter geworden. Mützen und Handschuhe mussten hervorgeholt werden, als wir zum Pass auf 5.221 m hochstiegen. Obwohl die Steigung nur mäßig ist, wird das Tempo langsamer. Wir spüren die Höhe, genießen aber die wunderbare Aussicht auf den Daulaghiri (8.167 m). Nach all den Strapazen dieses Tages gibt es am Abend ein Bad im Dachun Khola, wo wir auf einer Anhöhe (4.200 m) kurz vor Darsumna Dhobhan unser Lager aufgeschlagen haben.

Mit der Überschreitung des Jyanta La Passes hatten wir das Obere Dolpo und somit den größten Nationalpark Nepals betreten (Shey-Phoksundo, 3.555 km²). Eine trockene Landschaft, mit sandigem oder staubigem Boden lag vor uns, teils Halbwüste wie im Hochland von Tibet,  mit vereinzelten Grasnarben und spärlichem Buschwerk. Immer noch nach Norden wandernd,  mussten wir den Nagon Khola Fluss mehrmals überqueren. Der Wasserstand war morgens nicht sehr hoch, wir zogen die Schuhe aus und streiften die Hosenbeine übers Knie, so dass wir mit trockenen Kleidern über den Fluss kamen. Die Pfade waren immer schlechter zu erkennen und begannen sich im Gestein zu verlaufen, da sahen wir oben, in den Felswänden die erste Herde Blauschafe (pseudois nayaur). Sie schienen ebenso erstaunt zu sein über uns, wie wir über sie und wir wunderten uns, dass sie weder blau waren, noch wie Schafe aussahen. Sie haben lange Beine, ähnlich den Ziegen. Die männlichen Tiere tragen stattliche,  gewundene Hörner wie etwa jene der Steinböcke. Das zottige Fell ist grau-braun. Unsre Kameras dokumentierten das Ereignis.

Kurz vor Rakyo zwängt sich der Nagon Khola Fluß durch eine enge Schlucht. Wir weichen auf die linke Bergflanke aus und steigen nochmals auf über 4.500 m hoch. Dann aber öffnet sich ein überwältigender Ausblick auf das gewundene Nagon Tal gegen Nord-West.  Auf den Flussterrassen blühen die Buchweizen- und Gerstenfelder. Pappeln und Walnussbestände schmücken die Landschaft mit ihren grünen Silhouetten, während über den gelb-grauen Steilhängen da und dort,  leuchtend weiße Chörten sich  in den tiefblauen Himmel recken. An den Chörten flattern die fünffarbigen Gebetsfahnen. Auf dem flachen Dach eines Haues weht eine rubinrote Fahne: Zeichen für eine religiöse Zeremonie. Rakyo ist ein Ort der Stille und Schönheit und ist noch nicht vom Tourismus entdeckt worden. Bis Saldang  (3.770 m), wo wir unser Camp aufschlagen, sind es noch gut drei Stunden Fußmarsch, vorbei an Mani-Steinen und Chörten und einer Schule in Chasip, wo uns die Kinder im Tal mit winkenden Gesten und fröhlichen Rufen zu einem Besuch einluden, den wir nicht abschlagen konnten und die Mühe des Ab- und Aufstiegs am Berghang, gerne auf uns nahmen. Die Schüler führten uns fünf Tänze vor, mit einer Begeisterung und tänzerischem Können, die uns ansteckten, so dass wir uns mit einem eigenen Lied verabschiedeten.

Ein Ruhetag in Saldang, dem Ort, wo es einen Nebensitz des Dolpo Tulku gibt. Wir besuchen eine Puja (buddhistische Zeremonie) in der Gompa. Dhjindup Lama und zwei Mönchen sind da. Die Rezitation beginnt, ein gutturaler, monotoner Gesang begleitet vom Stakkato der Gebetstrommel und dem Klang der Zimbeln. In der Gompa ist es düster. Die 500jährige Wandmalerei wurde erst kürzlich restauriert. Ein Kleinod. Wir sitzen in zwei Reihen rechts und links am Längsgang des Hauses und wer in Versenkung war, dem erschien plötzlich eine Dakini schwebend im Raum. Sie trug hüftlanges, schwarzes Haar. Ein hellblaues Seidengewand umhüllte sie. In den Händen hielt sie ein großes, gebündeltes Pustak (Lose-Blatt-Buch). Sie sah zornig auf uns herab, vielleicht, weil wir eine Ziege töten ließen für unser Abendessen. Dann aber  öffnete sie das Buch und goldene Blütenblätter fielen auf uns nieder. Sie lächelte. Wir würden unsere lange Trekking-Tour gut überstehen. 

Es war der 10. Tag unseres Trekkings und der Höhepunkt unserer Reise. Von nun an wandten wir uns nach Westen.  Morgens stiegen wir nochmals hoch auf 4.500 m und nun eröffnete sich uns die grandiose Gipfelwelt des Inneren Dolpo. Auf dem Höhenweg oberhalb des Namga Khola Flusses stießen wir erneut auf eine Herde Blauschafe. Sie waren weit verstreut auf einem Hang, grasten friedlich und blickten hin- und wieder zu uns herab, um dann weiter ihrer Tätigkeit nachzugehen. Die Schlucht, durch die der Namga Khola fließt, ist von außerordentlichen Dimensionen. Auf dem Weg zur Namgung Gompa gewannen wir einen Einblick in die bizarre Schichtungsstruktur der Steilwände, die in der Erdgeschichte mehreren Senkrecht-  und Horizontalverschiebungen unterworfen war.

Die Namgung Gompa war das erste Bön Kloster, das wir besuchten. Die Bönpa  (Anhänger der Bön Religion) beziehen sich nicht auf  Buddha, sondern auf Shenrab Miwoche, der als Begründer dieser uralten tibetischen Tradition gilt. Im Oberen Dolpo soll es noch 14 Bön Klöster geben, meist sehr abgelegen und schwer zugänglich. Eine Fundgrube für Ethnologen. Zauberei und Magie wird den Bön nachgesagt. Ihre Einrichtungen haben nicht den Glanz buddhistischer Klöster. Die archaische Figurenausstattung, die Masken und exotischen Bildwerke sind nicht von dieser Welt. Die Masken (Vanaspati) stellen nach Auffassung der Bönpa die Illusion dar, der wir unterliegen beim Betrachten der Welt, denn hinter ihnen verbirgt sich das Göttliche.  Eine Bibliothek sehr alter, gebündelter Lose-Blatt-Bücher stapelte sich an den Wänden. Der Lama empfing uns und blies ein Muschelhorn (Doong), um die bösen Geister aus uns auszutreiben. Eine betäubende Zwiebelduftwolke hüllte uns ein und wir fühlten uns befreit  von allen falschen Konventionen in den vergessenen Schluchten des Himalaya.

Unter dem Nengla La Pass (5.368 m) schlugen wir unser zweites Hochlager auf. In der Nacht gab es Schneeregen. Die Temperatur war wieder gefallen. Die Überschreitung des Nengla La Passes bot uns keine Fernsicht mehr. Dafür behauptete unser nepalesischer Guide oben auf der Passhöhe einen Schneeleoparden gesichtet zu haben. Als Beleg zeigte er ein Foto auf dem Display seiner Kamera.

Der steile und kurze Abstieg bis zum Pho Khola Fluß nördlich der Passhöhe brachte uns an eine Endmoräne am Fuß des Mule Danda. Hohe, rötliche Felswände  erhoben sich linker Hand und wir folgten der Richtung  Bhijer. Dann aber entschloss sich unser Tourenleiter zu einer Abkürzung über Tora zu nehmen zum abgelegenen Tata über der Tartan Schlucht. Es gab nochmals einen Aufstieg bis zu den gewaltigen Mani-Steinen bei Tara (4.600 m), bis wir dann bei einsetzendem Nieselregen über lange Bergrücken steigend, nach Tata (4.000 m) abstiegen. Oberhalb der Gerstenfelder des nahe gelegenen Dorfes schlugen wir die Zelte auf.

Wir hatten am 11.Tag unserer Reise den entferntesten Punkt  unserer Tour in der nord-westlichen Ecke des Dolpo erreicht. Wir fühlten uns wie am Ende der Welt. Auf den umliegenden Feldern schnitten die Frauen von morgens bis abends die Gerste mit der Sichel. Die Männer waren in den Bergen mit den Yakherden. Die Kinder saßen am Feldrand und kauten Tsampa. Ihre Augen waren von der intensiven UV-Strahlung gerötet.  Die Mütter baten um eine Salbe, ein heilendes Medikament. Wir hatten aber dergleichen nicht im Gepäck und den Gebrauch unserer Malstifte und Malhefte und sonstiger Geschenke aus der Zivilisation mussten wir den Kindern erst erklären. Hier gibt es keine Schule und kein Krankenhaus. Die nächste medizinische Station ist in Amchi, drei beschwerliche Tagesmärsche entfernt.  

Da wir uns zwei Tage lang in Tata aufhielten, machten wir einen Ausflug zu den  Bön Gompas in Shyamling, etwa 1,5 Stunden Gehzeit entfernt. Wir wanderten durch eine grandiose Landschaft auf einem Höhenweg  mit schwindelerregendem Ausblick in die Tartan Schlucht. Steinadler zogen Kreise über dem gewaltigen Canyon. Sie kamen uns so nah, dass wir die Schwungfedern an ihren Flügeln erkennen konnten. Es waren noch junge Tiere mit teils weißem Gefieder an den Schwingen. Von Bhijer kam der Lama hochgestiegen. Er trug einen Flechtkorb auf dem Rücken, randvoll  mit Yakdung gefüllt, eine Kostbarkeit hier oben in den Bergen, wo Brennholz rar ist. Über einem Baumstamm mit eingekerbten Stufen gelangten wir in den Kultraum, oben unter dem Dach der Gompa. Die Stille klang in unseren Ohren und drang bis in die letzte Muskelfaser unser strapazierten Beine.

Von nun an ging es nach Süden über mehrere Pässe und einem Höhenweg mit einmaligem Ausblick auf den weiß leuchtenden Kristallberg und die Gipfel des Phoksundo Nationalparks. Wir zelteten in der Nähe des berühmten Kristall Klosters (Shey Gompa, 4.190 m) am Zusammenfluss des Hubaiu und Sephu Khola. Nach vielen Tagen sahen wir nun wieder Himalaya-Trekker unseren Weg kreuzen. Wir kamen der Zivilisation näher.  Am Folgetag hatten wir dann den Nandalo Pass erreicht (5.110 m), unseren dritten Fünftausender. Wir überschritten ihn auf langem Zustieg und sehr steilem Flankenhang in tiefem Schiefersand. Dann folgten wir der Richtung Rigmo. Ein beschwerlicher Abstieg im Geröll des Tuk Kyaksa Khola, vorbei an schäumenden Kaskaden und dann eine Zeltübernachtung in einem Birkenwald am Phoksundo Khola brachten uns an den Fuß des Kanjirova Himal (6.612 m). Die Kanjirova Bergkette erstreckt sich in Nord-Süd Richtung  bis an die westliche Seite des Phoksundo Sees. Es war unser 15. Trekkingtag mit klarem Himmel und intensiver Sonneneinstrahlung. Über uns auf dem Osthang des Kanjirova sahen wir aus sicherer Entfernung, wie ein Eisbruch unterhalb des Gipfelpfeilers sich löste und in die Tiefe stürzte. Eine Schneefontäne schoss in den Himmel, während  ein fernes Dröhnen das Geschehen begleitete. Noch hatten wir unser  Tagesziel, den Zeltplatz in Rigmo am See (3.612 m) nicht erreicht. Nochmals ein Aufstieg von ca. 300 m führte uns auf den berüchtigten „Teufelsweg“  (Éric Valli), hoch über dem türkisfarbenen Phoksundo-See. Der See ist eine Attraktion für Himalaya Fans und Aushängeschild jeder Dolpo-Werbung. Wir erlebten den See real, fern jeder Kalenderblatt-Idylle und waren fasziniert von seinen Dimensionen und der intensiv leuchtenden  Wasseroberfläche. Gleichzeitig mussten wir uns auf den staubtrockenen Hangpfaden im Mergelstaub mühsam hocharbeiten und schließlich nicht weniger mühsam, nach Rigmo absteigen.

Vom Phoksundo See bis nach Juphal, wo uns unser Flugzeug abholte, dauerte unser Abstieg noch drei Tage.  Wir besuchten das Amchi Hospital und eine Schule und passierten mehrere Military Check Points, wanderten durch Kiefern-  und  Zedernwälder. Am bemerkenswertesten waren aber zwei Bön Gompas, die eine am süd-östlichen Ufer des Phoksundo Sees und die andere in einem Apfelbaumhain in Chunuwar in den Bergen, abseits begangener Wege. Eine verblüffende Ursprünglichkeit und ein direkter Zugang zur Seelenlandschaft der Himalaya Bewohner, findet hier ihren Ausdruck. Das haben wir in der Zivilisation vergessen und im Dolpo wiedergefunden.

Teilnehmer:  
Susanne L., Carola S., Wolfgang G., Rainer S., Ulli S., Jutta E., Yves C., Andreas K., Michaele T., Anka S., Thomas H., Birgit T.
 

Tourenleiter: Helmut Spoo                                             Text: Wolfgang Gottschick

nach oben...